Lyrik von Pedro Holz

Von Lesern und Kritikern ist schon öfter darauf hingewiesen worden, dass viele Kurzgeschichten von Pedro Holz in ihrer Knappheit und Verdichtung eine Verwandschaft mit Lyrik aufweisen. So schreibt Guadalupe Santa Cruz im Nachwort zu „Die kleine Welt des Herrn Kaiser“:

„Die Geschichten ähneln gewissermaßen Haikus, denen die Suche nach dem elementarsten und ungekünstelten, damit reinsten Ausdruck zugrunde liegt: demjenigen, der – nach dem langen Krieg, den dieses Buch in seinen verschiedenen Formen durchläuft – unter den Trümmern bestehen bleibt, demjenigen, der in Augenblicken der Not hervortritt – wenn diese Not sich nicht der Heldenhaftigkeit brüstet, sondern nur ertragen, einfach ertragen wird.“

Doch während Pedro Holz schon seit seiner Kindheit Kurzgeschichten schreibt, sind seine ersten Gedichte weit später – im Exil in Deutschland und in deutscher Sprache – entstanden. Zusammen mit anderen, die Pedro Holz zurückgekehrt nach Chile schrieb, wurden sie 1991 in dem kleinen Band „Exil und Rückkehr“ vom Freiraum e.V., Bochum, veröffentlicht. Der zweiteilige Aufbau dieses Bandes, „Exil“ nur auf Deutsch und „Rückkehr“ zweisprachig (Deutsch/Spanisch), verweist auf die unterschiedlichen Lebenssituationen, von denen die Gedichte angeregt wurden.
Da diese erste Buchpublikation schon lange vergriffen ist, ist hier eine kleine Auswahl daraus zu finden, aus dem ersten Teil: „Für eine nicaraguanische Bäuerin“ und aus dem zweiten: „Zurückkehren“ und „Plaza de Armas 1989“.

In den ersten Jahren nach der Rückkehr nach Chile schrieb Pedro Holz regelmäßig weiter Gedichte und reagierte auch in dieser Form auf den Zusammenprall mit dem ‚neuen‘ Chile. 1997 stellte er einige davon unter dem Titel „Kommen und Gehen“ zweisprachig, mit Übersetzung von Gaby Küppers, zusammen. Bislang sind diese Gedichte nur bei Lesungen einem Publikum bekannt geworden, so dass drei von ihnen hier vorgestellt werden: „Ñuñoa“, „Zukunft“ und „Santiago“.

Die gute Aufnahme der hier versammelten und anderer Gedichte während der letzten Lesereise durch Deutschland (September/Oktober 2007) bringt den Gedanken nahe, einen neuen zweisprachigen Lyrikband zu veröffentlichen.

(Mai 2008)